Dr. Angelika Niebler, MEP für die CSU, Co-Chair der „Osteoporosis Interest Group“ im Europäischen Parlament und Mitglied der überparteilichen Interessensgruppe der NIO, berichtet über
| Empfehlungen der Europäischen Kommission | |
| Aktivitäten des Europäischen Parlaments | |
| erste Erfolge in einzelnen europäischen Ländern | |
| zukünftige Vorhaben |
Empfehlungen der Kommission zur Behandlung und Prävention von Osteoporose an die Mitgliedstaaten
1998 hat die Kommission einen Bericht über Osteoporose in der Europäischen Gemeinschaft herausgegeben, in dem acht Empfehlungen an die Mitgliedsstaaten ausgesprochen wurden:
Empfehlung 1:
Der Sachverständigenausschuss weist in seinem Bericht überzeugend nach, dass die osteoporosebedingten Frakturen eine weit verbreitete und wachsende Gefahr für die Gesundheit älterer Menschen in Europa darstellen.
Die Europäische Kommission und die Regierungen der 15 Mitgliedstaaten, insbesondere Entscheidungsträger und nationale Politiker, sollten Osteoporoseprävention ausdrücklich zum gesundheitspolitischen Ziel erklären und Aufklärungskampagnen einleiten.
Empfehlung 2:
Obwohl gegenwärtig bereits über die Prävalenz von osteoporosebedingten Frakturen in verschiedenen Ländern Daten vorliegen, sind noch mehr Informationen erforderlich. Diese können dazu verwendet werden, die verschiedenen Ursachen von Osteoporose zu erforschen, mögliche Vorsorgestrategien zu beurteilen und die Kosten für die Osteoporoseprävention und -behandlung abzuschätzen.
Sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene sollten koordinierte Systeme zur Erfassung von Frakturen eingerichtet werden.
Empfehlung 3:
Die Zahl der osteoporosebedingten Frakturen wird in den nächsten Jahrzehnten in den EU-Mitgliedstaaten drastisch steigen. Die nationalen Systeme sollten EU-weit koordiniert werden, damit eine wirksame Bedarfsplanung für die gesundheitliche Versorgung sowie eine entsprechende Ressourcenumverteilung erfolgen können.
Empfehlung 4:
Die Ernährung ist wichtig für die Knochengesundheit. Die Kalziumaufnahme mit der Nahrung liegt bei vielen Menschen unterhalb der empfohlenen Werte, und Vitamin-D-Mangel ist, insbesondere bei älteren Menschen, weit verbreitet.
Es sollten Strategien entwickelt und umgesetzt werden, mit denen die Öffentlichkeit und die Vertreter der Heilberufe über die Bedeutung von Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr für jedes Lebensalter informiert werden.
Empfehlung 5:
Knochendichtemessungen bieten die beste Möglichkeit, Osteoporose zu erkennen . Die Experten sind sich jedoch darüber einig, dass Reihenuntersuchungen der Bevölkerung nicht gerechtfertigt wären und dass die Entscheidung für Knochendichtemessungen aufgrund klinischer Hinweise auf Risikofaktoren erfolgen sollte. Die Verfügbarkeit der Geräte und die Mittel für diese Messungen sind in den EU Mitgliedsstaaten vielfach unzureichend. In vielen Mitgliedsstaaten erfolgt keine oder nur eine teilweise Kostenerstattung der Untersuchungen.
Für Personen mit Osteoporose-Risiko sollten Knochendichtemessungen verfügbar sein, und die Kosten sollten erstattet werden.
Empfehlung 6:
Zur Osteoporoseprävention und -behandlung stehen bereits wirksame Arzneimittel zur Verfügung, und weitere sind in der Entwicklung. Bisher fehlt jedoch eine entsprechend harmonisierte Behandlungsstrategie (einschließlich pharmakologischer und nichtpharmakologischer Therapie).
Leitlinien für Standardbehandlungsstrategien sollten eingesetzt und koordiniert werden. Die Kosten für anerkannte Behandlungsformen sollten erstattet werden.
Empfehlung 7:
Die wichtige Rolle von nationalen Osteoporose-Patientenverbänden und wissenschaftlichen Gesellschaften wird zunehmend anerkannt. Dennoch sind die Kenntnisse über Osteoporose sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den Vertretern der Heilberufe nicht ausreichend weit verbreitet.
Die nationalen Osteoporose-Patientenverbände und wissenschaftlichen Gesellschaften sollten finanzielle Unterstützung erhalten, damit sie überall in der Europäischen Gemeinschaft ihre Kenntnisse weitergeben können.
Empfehlung 8:
In vielen Bereichen sind dringend weitere wissenschaftliche Studien erforderlich. Dazu gehören die Wirkung körperlicher Bewegung wie auch der Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr auf die Knochenmasse, die Voraussage von Frakturrisiken, Möglichkeiten von Reihenuntersuchungen, sowie Ursachen und Behandlung von Osteoporose bei Männern. Es sollten weitere wissenschaftliche Studien in den wichtigsten Bereichen finanziert werden, damit bessere Strategien zur Osteoporoseprävention entwickelt und durchgeführt werden können.
Aktivitäten des Europäischen Parlamentes
Laut einer Studie des International Osteoporosis Fund wurden seit 1998 keine bedeutenden Fortschritte in der Implementierung der Empfehlungen zu Osteoporose in den einzelnen Mitgliedsstaaten verzeichnet. Aus diesem Grund wurde Ende 2001 von Mel Read, Abgeordnete im Europäischen Parlament, die "EP Osteoporosis Interest Group" gegründet, deren Vorsitz sich momentan die Abgeordneten Mary Honeyball (Labour) aus Großbritannien und Dr. Angelika Niebler (CSU) aus Deutschland teilen. Das Ziel der Interest Group ist es, ein politisches Bewusstsein für Osteoporose in der EU und in den Nationalstaaten zu schaffen. Osteoporose soll demnach in EU-Strategien und Aktionen mit einbezogen werden. Hier wurde auch ein "call for action" formuliert, der helfen soll, die notwendigen Entwicklungen in den Nationalstaaten und auf EU-Ebene zu fördern. In diesem "call for action" wurden die Regierungen und die nationalen Krankenversicherungen aufgefordert,
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Kampagnen zu finanzieren, um ein Bewusstsein für diese Krankheit zu schaffen |
| (2) | den Zugang und die Finanzierung für Knochendichte-Scans für Patienten mit einem hohen Osteoporose-Risiko zu erleichtern und |
| (3) | den neuen Mitgliedsstaaten zu helfen, "best practices" zu entwickeln und die Ergebnisse ihrer Aktionen zu evaluieren. |
Auch wird die Kommission im "call for action" aufgefordert,
| (1) |
mit der International Osteoporosis Foundation zusammenzuarbeiten, um nationale und europäische Politiker mit Osteoporoseexperten und Interessenvertretungen zusammenzubringen und praktische, kosteneffektive Strategien zu entwickeln, um osteoporosebedingte Frakturen zu verhindern. Dabei sollten messbare und realistische Ziele gesetzt werden; |
| (2) | ein System zur Erfassung von osteoporosebedingten Frakturen zu entwickeln und zu koordinieren |
Seit ihrer Gründung bemüht sich die "Osteoporosis Interest Group" des Europäischen Parlaments zusammen mit dem "International Osteopososis Fund" darum, diese geheime Volkskrankheit in das Bewusstsein der Europäischen Institutionen wie auch der einzelnen Mitgliedsstaaten zu rücken. Mit Erfolg, wie nachfolgende Länderbeispiele zeigen.
Zwei erfolgreiche Länderbeispiele
Frankreich
Die Bekämpfung von Osteoporose ist seit 2004 eine der nationalen Gesundheitsprioritäten der französischen Regierung. Konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der Osteoporose sind zum Beispiel:
Zur Prävention werden in Medienkampagnen und Schulen sportliche Aktivitäten und gesunde Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D-Einnahme beworben.
Die Früherkennung von Osteoporose wird durch eine weite Verbreitung von Knochendichtemesssystemen und die Kostenerstattung der Tests gefördert.
Insgesamt sollen bis 2008 Hüftfrakturen um 10 Prozent und Stürze älterer Menschen um 25% gesenkt werden.
Ungarn
Gesunde Knochen sind seit über 10 Jahren eine Priorität der ungarischen staatlichen Gesundheitspolitik. Das staatlich unterstützte nationale Osteoporose-Programm beinhaltet Aufklärungskampagnen, Bildungsmaßnahmen, Prävention, Früherkennung und Pflege. Zum Beispiel gibt es ein Netzwerk gut ausgestatteter ambulanter Osteoporose-Zentren, in denen Spezialisten unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen mit Allgemeinärzten und Krankenhausärzten zusammenarbeiten.
Trotz der positiven Beispiele in Frankreich und Ungarn gibt es nichtsdestotrotz noch sehr viel auf dem Gebiet der Prävention, Führerkennung und Behandlung von Osteoporose zu tun.
Dazu sind klare Signale der EU notwendig, um die nationalen Regierungen dabei zu unterstützen, Osteoporose eine hohe Priorität in der Gesundheitsfürsorge einzuräumen. Es ist wichtig, dass von der EU aus eine Empfehlung an die Mitgliedsstaaten herangetragen wird, damit die nationalen Interessengruppierungen gegenüber ihren Regierungen nachdrücklich unterstützt werden.
Dazu wird zum Beispiel an die Gesundheitsministerin von Großbritannien, Patricia Hewitt, aufgefordert werden, während der britischen Ratspräsidentschaft (2. Hälfte 2005) Osteoporose zu thematisieren.
Auch hat die österreichisch Ratspräsidentschaft (1. Hälfte 2006) vor, das Thema Frauen und Gesundheit zu einem ihrer Schwerpunktthemen zu machen. Dies ist eine gute Gelegenheit, Osteoporose wieder in das Bewusstsein der nationalen Regierungen zu rücken und hierdurch zum Handeln zu motivieren.
Dr. Angelika Niebler, MEP